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Ostfriesisches Landesmuseum Emden
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KUNSTWERK DES MONATS MÄRZ 2008

Die Hl. Caecilia an der Orgel

Der kleine Kupferstich des niederländischen Künstlers Hieronymus Wierix zeigt die heilige Caecilia von Rom, einer Märtyrerin des 3. Jahrhunderts, an der Standorgel. Sie ist seit dem Spätmittelalter die Schutzpatronin der Kirchenmusik, Musiker und Instrumentenbauer, vor allem jedoch der Orgelbauer.

Hieronymus Wierix (um 1553 Antwerpen – 1619 Antwerpen)
„Cecilia artifici superans Amphiona cantu sub iuge te Christi Valeriane rapit“ – Caecilia sang kunstfertiger als Amphion; während der Christenunterjochung wurde Valerian entrissen
um 1600
Kupferstich
8,1 x 5,7 cm
Inv.Nr.: GS Kunst 2213/2

 

Die junge Frau sitzt mit sanftem Gesichtsausdruck, tief versunken im Orgelspiel vor ihrem Instrument und blickt ins Leere. Hinter der Orgel steht ein Engel, der sie gütig betrachtet. Das Amt des Engels ist die Anbetung und das Lob Gottes sowie die Trägerschaft der göttlichen Offenbarung. Hier besitzt der Engel den Auftrag, die Heilige zu schützen. Die edle Kleidung der jungen Frau deutet auf ihren hohen gesellschaftlichen Stand. Das lange, gewellte Haar fällt üppig und wie ein Schleier über ihren Rücken. Ihr Haupt, über dem ein Heiligenschein schwebt, wird von einem aus Rosen – dem Attribut der Jungfräulichkeit und göttlichen Liebe – gewundenen Kranz geschmückt. Er kann einen Brautkranz symbolisieren, aber auch als Zeichen für Ruhm, Ehre oder Freude sowie als Krone der Märtyrer stehen. Die Säule links im Hintergrund symbolisiert nicht nur die Verbindung zwischen Himmel und Erde, sondern auch die Tapferkeit. Die Darstellung besticht durch die Symbiose der im Zentrum stehenden Gesichter Caecilias und des Engels. Der Blick des Betrachters wird über die Tastatur der Orgel unmittelbar auf die beiden Antlitze gelenkt, von deren Auren eine faszinierende Ausdruckskraft strahlt.
Genaue Daten zu Leben und Martyrium der heiligen Caecilia fehlen. Sie soll um 200 n. Chr. in Rom geboren worden sein. Schon in der Kindheit wandte sie sich dem Christentum zu. Zu jener Zeit bedeutete Christsein Lebensgefahr, da die Kaiser diese monotheistische Religion verfolgen ließen. Caecilias Eltern arrangierten die Heirat mit dem Heiden Valerianus. In der Hochzeitsnacht gestand Caecilia, dass sie mit Jesu verlobt wäre und ewige Keuschheit geschworen hätte. Ein Engel des Herrn schütze ihre Reinheit. Ihr Gatte wollte den Engel sehen, Caecilia erwiderte aber, dass er sich dafür taufen lassen müsse. Valerianus ließ sich taufen und erblickte, wie ein Engel seiner Frau Rosen überreichte, was ihn tief ergriff. Das Paar weihte sich dem jungfräulichen Leben und bekehrten viele Heiden zum Christentum, darunter auch Valerianus‘ Bruder Tiburtitus. Sie kümmerten sich um verfolgte Christen in Rom und bestatteten diese nach ihrem Tod. Valerianus und sein Bruder wurden wegen ihrer Aktivitäten verhaftet und enthauptet. Caecilia verweigerte den Götzendienst und sollte mit heißen Dämpfen erstickt werden. Sie überlebte. Dann sollte sie mit dem Schwert enthauptet werden. Auch die drei Schwerthiebe überlebte sie noch drei Tage schwer verletzt. Am 22.11.230 starb sie in Rom. Vorher konnte die Märtyrerin jedoch ihren Besitz an Arme und die Kirche verteilen.
Der Kupferstecher Hieronymus Wierix wurde um 1553 in Antwerpen geboren und starb dort 1619. Er stach vor allem Blätter mythologischen und politischen Inhalts. Wierix fertigte jedoch auch viele Drucke für Jesuiten und andere gegenreformatorische Vereinigungen, die großen Einfluss auf die Rekatholisierung der südlichen Niederlande hatten.
Noch bis zum 30.3.2008 werden über 130 Kupferstiche und Handzeichnungen in den Sonderausstellungen „Gott und die Welt. Niederländische Grafik des 16. Jahrhunderts“ sowie „Handzeichnungen deutscher und niederländischer Meister“ des Ostfriesischen Landesmuseums Emden präsentiert.

Susanne Lorentz M. A.