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Ostfriesisches Landesmuseum Emden
RATHAUS AM DELFT
Brückstraße 1 | 26725 Emden
Tel.: +49 (0)4921 - 87 20 58

Öffnungszeiten:
Di - So 10 – 17 Uhr,
Mo geschlossen

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KUNSTWERK DES MONATS FEBRUAR 2012

Feuerzange

Seit einiger Zeit erlebt der Kamin in Deutschland eine Renaissance. Gemütlich sitzen die Menschen im Winter am Feuer und lassen sowohl das Flammenspiel als auch die Wärme auf sich wirken.

Feuerzange
Schmiedeeisen
1558
L: 119,5 cm; B: 10,0 cm; H: 5,0 cm
Inv.Nr.: UM 145

In früherer Zeit war der Kamin aber neben der Herdstelle oftmals die einzige Wärmequelle im Haus. Unter anderem deshalb achtete man besonders auf das Feuer und ließ die Glut über Nacht brennen, um am nächsten Morgen das Feuer erneut daran zu entzünden.
Für den Umgang mit dem Kaminfeuer existierten bestimmte Gerätschaften, das sogenannte Kaminbesteck. Dazu gehörte der Schürhaken, eine Schaufel und ein Besen sowie eine Kaminzange. Mit dem Schürhaken wurde das Brenngut – Kohle, Holz oder Torf – in die richtige Lage im Feuerraum gebracht und zum Beispiel in die Glut geschoben, so dass es gut anbrennen konnte. Die Schaufel und der Besen dienten der Reinigung des Brennraums und dem Entfernen der Asche. Die Kaminzange nutzte man, um die Brennstoffe in den Feuerraum zu legen, ohne sich an ihnen, die oftmals verschmutzt waren, selbst schmutzig zu machen oder am Feuer zu verbrennen.
Im Ostfriesischen Landesmuseum Emden befindet sich eine Feuerzange aus dem 16. Jahrhundert; sie ist im Bereich „Fundus“ unter „Wärmen“ ausgestellt. Bei dem Objekt handelt es sich um ein sehr großes Gerät, das eine Länge von 119,5 cm aufweist. Es besitzt eine Breite von 10 cm, eine Höhe von 5 cm und wiegt 2,8 kg.
Gearbeitet ist die Kaminzange aus Schmiedeeisen. Dabei wurde der Gegenstand kunstvoll verziert. Die rund geschmiedeten Schenkel zeigen baluster- und wirtelförmige Elemente. Die Zangen sind zur Aufnahme des Brennmaterials abgeflacht. Das obere Ende beschließt ein Griff, der in Form eines Knaufes gearbeitet ist und in einem ebenfalls balusterartigen Übergang zu den Schenkeln führt.

 
Die Verzierungen ergeben sich aber nicht nur durch plastische Verformungen, also dem Schmieden, sondern auch aus spanabhebenden Verfahren. In der Mitte der beiden Schenkel ist jeweils ein Schild geschmiedet. Auf diesem ist das Emder Stadtwappen eingraviert. Weitere Gravuren befinden sich an der Verlängerung des Griffes und am Griff selbst; diese zeigen verschiedene Blattornamente. Plastische Arbeiten in Form von Lilien wurden in die Schulter der Schenkel eingefügt. Schließlich wurde an den beiden Seiten des Griffes jeweils die Jahreszahl 1558 als Gravur eingearbeitet.
Die Verzierungen erfreuen aber nicht nur den Betrachter und Benutzer, sondern lassen auch den Schluss über die Herkunft des Objekts zu. Das eingravierte Stadtwappen weist das Objekt eindeutig als einen Gegenstand aus einem Emder Haushalt aus; die Jahreszahl deutet auf das Herstellungsjahr hin, nämlich 1558.
Eine weitere Besonderheit des Gerätes ist die Größe. Denn Kaminbestecke aus späterer Zeit, dem 18. oder 19. Jahrhundert etwa, fallen viel kürzer aus. Zudem ist die Länge ein Zeichen dafür, dass die Feuerzange wirklich der Nutzung eines Kamins und nicht der eines Ofens diente. Beim Nachlegen von Brennstoff in den Kamin musste der Abstand der heizenden Person zum Kamin wesentlich größer sein als bei einem Ofen, da der Feuerraum größer und nicht abgeschlossen war. Zudem ist daraus ersichtlich, dass diese Kaminzange mit beiden Händen benutzt wurde. Vermutlich brauchte die Person sich nicht einmal hinzuhocken oder niederzuknien, sondern konnte den Brennstoff bequem im Stehen nachlegen.

Caroline Schott M. A.