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Ostfriesisches Landesmuseum Emden
RATHAUS AM DELFT
Brückstraße 1 | 26725 Emden
Tel.: +49 (0)4921 - 87 20 58
Di. - So. sowie feiertags:
10:00 - 17:00 Uhr

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Dezember
KIDS IN!
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11.Dezember 2018, 19:30 Uhr Ostfriesisches Landesmuseum Emden; Rummel
"Die Arbeiter- und Soldatenräte in Emden 1918" - mit Aiko Schmidt
Vortrag im Rahmen der Sonderausstellung „O welche Lust, Soldat zu sein?

16. Dezember 11:30 Uhr; Ostfriesisches Landesmuseum Emden
plattdeutsche Sonntagsführung durch Sonderausstellung „O welche Lust, Soldat zu sein?“
Ilse Frerichs

24., 25. Dezember sowie 31. Dezember 2018, 1. Januar 2019 - geschlossen
Öffnungszeiten während der Feiertage

KUNSTWERK DES MONATS JUNI 2011

Wie ein altes Ehepaar, das sich nicht mehr viel zu erzählen hat, aber dennoch ein vertrauensvolles Verhältnis zueinander pflegt, liegen zwei Schlepper im Neuen Binnenhafen.

Cramers Kunstanstalt (Cekade), Dortmund
„Emden – Hafen + Werften“
Farbfotografie
1976
H: 10,5 cm; B: 15,8 cm
Inv.Nr.: FS 5113

Im Vordergrund rechts wartet die „Johann Wessels“ gemeinsam mit ihrer Besatzung auf einen Einsatz. Links daneben hat die „Käthe Wessels“ an einem separaten Steg festgemacht.
Im Hintergrund strecken sich die Kräne der Nordseewerke in den Himmel, als wollten sie die wenigen, wie gemalt wirkenden Wolken herunterzupfen.
Die Aufnahme wurde 1976 gemacht und sollte als Vorlage für eine Postkarte dienen. Ob das Dortmunder Unternehmen „Cramers Kunstanstalt“ (Cekade), von 1900 bis zur Insolvenz 1989 einer der führenden Produzenten von Ansichtskarten, das Motiv tatsächlich in den Handel gebracht hat, ließ sich nicht ermitteln. Vielleicht vermittelte das Bild aber auch zu viel Idylle und zu wenig Betriebsamkeit. In den 1970er Jahren begann der Massengutumschlag im Emder Hafen allmählich zu sinken, da die Fahrrinne der Ems für die immer größer werdenden Erz- und Kohleschiffe nicht tief genug war. Und da neben der „Johann Wessels“ und der „Käthe Wessels“ noch zwei weitere Schlepper erkennbar sind, die an der Leine liegen, so muss davon ausgegangen werden, dass der Andrang von Schiffen, die in den Binnenhafen einlaufen wollten, nicht allzu groß war.
Die „Johann Wessels“ war 1941 als Baunummer 152 bei „Schulte & Bruns“ in Emden gebaut worden. Auftraggeber war das „Emder Bugsier- und Bergungsgeschäft P. W. Wessels“ gewesen. Nur kurze Zeit nach Entstehung der Fotografie verkaufte das Unternehmen den Schlepper in die Niederlande, wo er den Namen „Victory“ erhielt. Im folgenden Jahr – 1977 – bekam das Schiff einen neuen Eigner, der es wiederum in „Liberty“ umbenannte. Seit 1980 fährt die einstige „Johann Wessels“ als „Agia Eleni“ für eine griechische Reederei in Piräus. Der Schlepper ist 30,38 Meter lang, 6,91 Meter breit und hat einen Tiefgang von 3,81 Metern.
Die „Käthe Wessels“ war 1956 gleichfalls bei „Schulte & Bruns“ als Baunummer 184 vom Stapel gelaufen. Das 25,31 Meter lange und 6,92 Meter breite Schiff, das einen Tiefgang von 2,80 Metern hat, gehörte wie auch die „Johann Wessels“ zur Flotte des „Emder Bugsier- und Bergungsgeschäfts P. W. Wessels“. 1987 wurde die „Käthe Wessels“ außer Dienst gestellt und vier Jahre später in die Niederlande verkauft, wo sie als „Käthe“ fuhr. Nach mehreren Eigner- und Namenswechseln wurde der Schlepper 2002 zu einem Ausflugsschiff umgebaut.
Gründer des „Emder Bugsier- und Bergungsgeschäfts“ war 1859 der Seemann Peter Wichmanns Wessels gewesen. Aus diesem Unternehmen entstand 1994 die „Emder Schlepp-Betrieb GmbH“, die heute mit fünf Hafen- und Küstenbugsierschleppern arbeitet.
Die 1882 in Papenburg gegründete Reederei „Schulte & Bruns“ hatte 1892 in Emden eine Filiale eröffnet. 1917 war das Unternehmen um eine Schiffswerft erweitert worden, die ursprünglich nur Reparaturzwecken gedient hatte und erst später auch Neubauten ablieferte. Nachdem die schon längst eigenständig gewordene Emder Reederei im Oktober 1977 Insolvenz anmelden musste, kam kurze Zeit später auch für die Werft das Ende.
Vom 19. Juni bis zum 18. September zeigt das Ostfriesische Landesmuseum Emden in den Pelzerhäusern die Ausstellung „Schifffahrt in Emden – die letzten 100 Jahre“, in der die vorgestellte Fotografie zu sehen ist.

Aiko Schmidt M. A.